Die Geschichte des Vereins beginnt im Jahre 1903 mit folgendem Wortlaut, mit dem beim Königlichen Bezirksamt Wertingen die Gründung einer Schützengesellschaft angezeigt wurde:

„Der unterzeichnete Schützenausschuss zeigt dem königlichen Bezirksamt ergebenst an, dass er in der am 5. März stattgefundenen Generalversammlung eine Zimmerstutzen-Gesellschaft gegründet hat, welche den Namen „Tiroler“ führt und bittet daher das königliche Bezirksamt um Genehmigung dieser Statuten und ortspolizeilichen Vorschriften und Eintragungen in die Vereinsbücher.“

 

Hettlingen, den 5. März 1903              

  • Anton Sailer, 1. Schützenmeister
  • Josef Deisenhofer, 2. Schützenmeister
  • Martin Deisenhofer, Schriftführer
  • Josef Deisenhofer, Kassierer
  • Friedrich Sailer, Beisitzer
  • Friedrich Deisenhofer, Beisitzer
  • Johann Deisenhofer, Beisitzer

 

Aus den damaligen „Statuten“ geht hervor, dass die Zimmerstutzen-Schützen-gesellschaft den Zweck hat, Schießvergnügen und andere Unterhaltungen abzuhalten. Politische Reden waren strengstens untersagt. Jeder unbescholtene Mann, welcher das 18. Lebensjahr vollendet hatte, war zur Aufnahme befähigt. Laut damaliger Satzung musste jedes Aufnahmegesuch durch den Schützenmeister den am Schießtag anwesenden Mitgliedern bekanntgegeben werden. Falls diesem Gesuch nicht 2/3 der anwesenden Mitglieder zustimmten, konnte das abgewiesene Gesuch erst wieder nach einem Jahr erneuert werden. Zur Deckung der Kosten hatte jedes Mitglied eine Aufnahmegebühr von 50 Pfennig und eine Monatsrate von 15 Pfennig zu entrichten. Es wurde weiter festgehalten, dass bei Auflösung des Vereins die Barbeträge dem Gemeindearmenfond zufallen.

Die Aufzeichnungen über die einzelnen Aktivitäten des Vereins gingen leider in den Kriegswirren der beiden Weltkriege verloren, so dass über den Zeitraum der Gründung bis zur vorübergehenden Stilllegung im Jahre 1944 an dieser Stelle nichts berichtet werden kann.

Am 18. Januar 1956 wurde in der Gastwirtschaft Dirr die Wiedergründung des Vereins beschlossen. Bei dieser Gründungsversammlung wurde die folgende Vorstandschaft gewählt: Xaver Jung, 1. Vorstand; Martin Sporer, 1. Schützenmeister; Martin Gutmair, Kassierer und Schriftführer. In die Mitgliederliste konnten 18 Schützen aufgenommen werden. Durch den Verkauf des noch aus der Vorkriegszeit stammenden Zimmerstutzens zum Preis von 100 Mark und durch verschiedene Spenden konnte der Verein ein neues Luftgewehr für 184 Mark erwerben. Nach dem Kauf  eines Zugstandes für 52 Mark konnte der Schießbetrieb in der Gastwirtschaft Dirr aufgenommen werden. Das Schießen am ersten Abend war kostenlos und zugleich als Preisschießen deklariert. Die ersten Preisträger waren:

  • Johann Wagner, 1 Flasche Wein
  • Anton Dirr, 1 Schachtel Zigaretten
  • Gerlinde Schmutzer, 2 Zigarren

 

Am Gumpigen Donnerstag wurde die Preisverteilung für das in der Faschingszeit abgehaltene Preisschießen mit Kameradschaftsabend abgehalten. Dieses Faschingsschießen wurde viele Jahre traditionsgemäß fortgesetzt, jedoch wurde diese Veranstaltung der Berufstätigen wegen auf den Rußigen Freitag verschoben. Außerdem wurden im ersten Schießjahr nach der Wiedergründung mit Roggden und Geratshofen jeweils zwei Vergleichsschießen ausgetragen.

Im gleichen Jahr wurde noch ein zweiter Schießstand, der vom Schützenmeister Martin Sporer selbst hergestellt wurde, angebracht.

1958 wurde ein Kegelspiel angeschafft, um die Schießabende abwechslungsreicher zu gestalten.

Die im Jahre 1960 neu angeschaffte Schützenkette konnte dem damaligen Schützenkönig Leonhard Mayrböck erstmals umgehängt werden.

Im Frühjahr 1960 fand in Roggden das 1. Ludwig-von-Wirkau-Wanderpokalschießen statt. Die Schützenvereine der Pfarrgemeinde Zusamaltheim: „Diana“ Zusamaltheim, „Gemütlichkeit“ Sontheim, „Tell“ Roggden und „Tirol“ Hettlingen treffen sich seitdem jedes Jahr zu einem kameradschaftlichen Schützentreffen. Mittlerweilen ist dieses Pokalschießen das älteste dieser Art im Schützengau Wertingen.

Nachdem 1969 die Gastwirtschaft Dirr geschlossen wurde, konnte der Verein in der Schießstätte des Nachbarvereins „Tell“ in Roggden den Schießbetrieb bis zur Erstellung des eigenen Schützenheims fortsetzen.

Das erste Stadlfest wurde 1974 im Feldstadel von Johann Fendt gefeiert. Die gesamte Einwohnerschaft von Hettlingen war auf den Beinen. Die Maß Bier kostete 1,- DM.

Im selben Jahr stellte der Schützenverein auch zum ersten Mal in der Ortsmitte einen Weihnachtsbaum auf.Da das im Besitz der Gemeinde Hettlingen stehende Lagerhaus nicht mehr genutzt wurde und Bürgermeister Xaver Jung mit den Gemeinderäten den Antrag des Schützenvereins, das Lagerhaus zu einem Schützenheim umzubauen, befürwortete, wurde in der Generalversammlung am 4. Januar 1975 der Ausbau des Lagerhauses beschlossen.

In unzähligen, freiwilligen Arbeitsstunden durch die Mitglieder und Gönner des Vereins wurde das neue Vereinsheim in knapp einem Jahr fertiggestellt. Bereits am 20. Dezember 1975 konnten sich die „Tirol“-Schützen zur fälligen Generalversammlung mit anschließendem Eröffnungsschießen erstmals im Schützenheim treffen. Am 4. April 1976 wurde das Schützenheim „Tirol“ von Geistlichem Rat Melchior Hops eingeweiht. Nach sechs Jahren Schießbetrieb außerhalb des Ortes hatte der Verein endlich wieder ein eigenes Vereinsheim.

Als ersten großen sportlichen Erfolg konnten wir 1977 den Sieg beim Ludwig-von-Wirkau-Pokalschießen davontragen.

Am 8. und 9. Juli 1978 wurde in der Maschinenhalle von Johann Jung unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Dietrich Riesebeck das 75-jährige Gründungsjubiläum gefeiert. Alle benachbarten Vereine waren eingeladen.

Seit 1979 nimmt der Verein an der Stadtmeisterschaft teil. Alle acht Schützenvereine des Stadtgebietes Wertingen treffen sich alljährlich zu diesem sportlichen Schützenwettkampf.

Der erste Vereinsausflug führte uns 1981 zum Cirkus Krone nach München und konnte als voller Erfolg verzeichnet werden.

Seit 1983 ist der Verein im Vereinsregister eingetragen.

Vom 17. bis 19. Juni 1983 fand das 80-jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe statt. Aus diesem Anlass schlängelte sich ein nicht enden wollender Festzug durch den Ort. Unzählige Zuschauer säumten die Straße.

Als Fahnenbraut agierte Hildegard Jung, Festdamen waren Barbara Binswanger, Rosemarie Fendt, Martina Jung und Martina Mareiser. Fähnrich wurde Peter Mayrböck. Georg Dietmayr und Leonhard Wagner übernahmen das Amt der Fahnenbegleiter.

Nachdem die Platzverhältnisse im Schützenheim für ein konzentriertes Schießen nicht mehr tragbar waren, wurde 1992 das Schützenheim durch den Anbau des Schießstandes erweitert. Am 15. Mai 1992 wurde Hebauf gefeiert. Nach einem Gottesdienst am Dorfbrunnen weihte Pfarrer Michael Rudolf bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen am 27. September den Schießstand ein. Es wurde mit Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen gefeiert. Seit dem stehen fünf Schießstände zur Verfügung.

Das 90-jährige Vereinsjubiläum wurde 1993 in kleinerem Rahmen im Schützenheim gefeiert.

Im Jahre 2000 wurde eine Jugendkette angeschafft.

Markus Dietmayr schoß sich im Jahre 2001 in der Schülerklasse bis zur bayerischen Meisterschaft, bei der er den 80. Platz erreichte.

In unserem Verein wird traditionell ein jährliches Weihnachtsschießen, welches teilweise als Wildbretschießen gestaltet wird, durchgeführt. Sofern es das Wetter zulässt, wird im September ein Brunnenfest für die Dorfbewohner organisiert.

Der Schützenverein übernimmt auch das alljährliche Maibaumaufstellen und nach einigen Jahren Pause, seit 2001, auch wieder das Aufstellen des Christbaums in der Ortsmitte.

Unser Schützenverein beteiligt sich immer zahlreich an den Schützenfesten im Gau Wertingen, sowie an Festen anderer Vereine innerhalb der Pfarrei und der Stadt Wertingen.

Unsere Schützen beteiligen sich seit 1988 am Gaurundenwettkampf, beim Hiasl-Pokalschießen und seit 1998 auch am Bezirksrundenwettkampf, bei dem wir seit 2002 mit einer zweiten Mannschaft vertreten sind. Es werden auch regelmäßig mit anderen Vereinen Freundschaftsschießen abgehalten.

Für die Kameradschaftspflege werden immer wieder Betriebsbesichtigungen, Lichtbildervorträge oder Werbeveranstaltungen organisiert, welche von den Mitgliedern sehr gut angenommen werden.

Vom 23. bis 25. Mai 2003 feierten wir unser 100-jähriges Vereinsjubiläum. Zu diesem Anlass wurde bereits am 3. Januar 2003 ein Neujahrsempfang organisiert, wozu die gesamte Dorfbevölkerung eingeladen war.

In den Jahren 2006 – 2011 wurde unser Maibaum von der Schlossbrauerei Unterbaar jeweils als der schönste im Landkreis Dillingen in der Kategorie der Orte <400 Einwohner gekürt. Wir erhielten jedes Jahr 300 Liter Freibier.

Bei den Neuwahlen im Jahr 2006 stellte sich der langjährige Vorstand Leonhard Mayrböck nicht mehr zur Wahl. Sein Nachfolger wurde Jürgen Dietmayr. Leonhard Mayrböck wurde daraufhin für seine 36 Jahre dauernde Tätigkeit als Vorstand, sowie gleichzeitig 20 Jahre als Schützenmeister, zum Ehrenvorstand der Tirolschützen ernannt.

Bei der Stadtmeisterschaft 2006 stand der Schützenverein Tirol Hettlingen zum ersten Mal ganz oben, diesen Erfolg konnten wir bis 2018 jedes Jahr wiederholen. Gleichzeitig stellen wir seit 2003 den Einzelstadtmeister

Im Jahr 2007 wurde das Schützenheim renoviert und erweitert. Unter anderem entstand ein neuer Umkleideraum und 3 weitere Schießstände im Dachboden des bisherigen Schießstands. Die Toilettenanlagen, Küche und der Gastraum wurden modernisiert und erneuert. Außerdem erhielt unser Schützenheim neue Dachplatten.

Im Jahr 2008 konnte der wohl bisher größte Sportliche Erfolg gefeiert werden. Im Hiaslpokal setzten wir uns im Endkampf unter anderem gegen den großen Favoriten aus Binswangen durch und feierten den Pokalsieg. Außerdem stellten wir die 3 tagesbesten Schützen, die zum Finalschießen qualifiziert waren. Dies waren Michael Sinning, der spätere Sieger, Markus Dietmayr und Thomas Mayrböck.

Im August 2014 feierte unser Schütze Markus Dietmayr, den wohl größten Erfolg den je ein Schütze aus Hettlingen erreichen wird. In der Olympia-Schießanlage in Hochbrück bei München erreichte er das Finalschießen der Herren bei der Deutschen Meisterschaft und konnte sich gegen die teils prominente Konkurrenz durchsetzen.

Die Saison 2016/17 wird den Hettlinger Schützen wohl bis in alle Ewigkeit in guter Erinnerung bleiben. Der Gewinn des Hiaslpokals 2008 konnte noch einmal übertrumpft werden. In der Gauoberliga im Gau-Rundenwettkampf standen nach 10 Wettkämpfen die Hettlinger Tirolschützen mit 18:2 Punkten und einem Ringdurchschnitt von 998,9 Ringen am Ende ganz oben.

In der Winterpause der Saison 2018/19 hat ein neues Zeitalter des Schießens auch unser Schützenheim erreicht. Durch das Umrüsten auf elektronische Schießstände der Firma Meyton hat unser Schützenheim erneut eine Aufwertung bekommen.